01 · EDITORIAL SERIES

01 · EDITORIAL SERIES

OHNE RÜSTUNG.

OHNE RÜSTUNG.

Eine Serie über das, was wir schützen – und das, was sich trotzdem zeigt.

Eine Serie über das, was wir schützen – und das, was sich trotzdem zeigt.

Abstrakte transparente Glasskulptur

WARUM ICH DARÜBER SCHREIBE.

Wann ist es eigentlich so kompliziert geworden, einander einfach zu begegnen?

Wann ist es eigentlich so kompliziert geworden, einander einfach zu begegnen?

Wann ist es eigentlich so kompliziert geworden, einander einfach zu begegnen?

Diese Frage beschäftigt mich.

Wir leben in einer Zeit, in der unglaublich viel gleichzeitig um unsere Aufmerksamkeit konkurriert.

Ein Wisch – und das nächste Bild ist da. Eine Nachricht. Eine Mail. Ein Termin. Noch eine Information. Noch eine Meinung. Noch etwas, das wir unbedingt gesehen haben sollten.

Algorithmen lernen, was uns interessiert, und zeigen uns mehr davon. Wir sind ständig erreichbar, ständig informiert, ständig miteinander verbunden. Zumindest scheint es so.

Denn während unsere Welt immer stärker vernetzt ist, beschäftigt mich eine andere Frage:

Verbindung ist etwas anderes als Erreichbarkeit. Wir können hunderte Kontakte haben und uns trotzdem nach einem Menschen sehnen, mit dem wir wirklich sprechen können. Wir können innerhalb von Sekunden reagieren und uns trotzdem schwertun zu sagen, was uns eigentlich bewegt. Wir können unglaublich viel übereinander wissen – und uns trotzdem manchmal kaum noch wirklich begegnen.

Genau deshalb möchte ich über das Zwischenmenschliche sprechen. Nicht irgendwann. Jetzt.

Sind wir auch wirklich verbundener?

Sind wir auch wirklich verbundener?

Sind wir auch wirklich verbundener?

WIR BRAUCHEN EINANDER.

WIR BRAUCHEN EINANDER.

WIR BRAUCHEN EINANDER.

Nicht, weil wir ohne andere Menschen unvollständig wären. Sondern weil Beziehung ein wesentlicher Teil menschlichen Lebens ist.

Wir lernen aneinander. Wir spiegeln uns. Wir widersprechen uns. Wir lachen miteinander, irritieren uns, verändern unsere Meinung, erleben Zugehörigkeit und entdecken manchmal Seiten an uns, die alleine nie sichtbar geworden wären.

Andere Menschen zeigen uns nicht nur, wer sie sind. Manchmal zeigen sie uns auch etwas über uns selbst.

Gerade in einer Welt, die immer besser darin wird, uns das zu zeigen, was ohnehin zu uns passt, brauchen wir auch das, was sich nicht vorsortieren lässt: Eine andere Meinung. Eine unerwartete Begegnung. Ein Gespräch, das anders verläuft als gedacht. Einen Menschen, den wir auf den ersten Blick völlig falsch eingeschätzt haben.

Vielleicht brauchen wir manchmal genau das, was kein Algorithmus perfekt für uns vorsortieren kann: die Überraschung eines anderen Menschen.

Vielleicht brauchen wir manchmal genau das, was kein Algorithmus perfekt für uns vorsortieren kann: die Überraschung eines anderen Menschen.

Vielleicht brauchen wir manchmal genau das, was kein Algorithmus perfekt für uns vorsortieren kann: die Überraschung eines anderen Menschen.

Mann in schwarzer Kleidung zwischen künstlerischen Figuren

UNSERE RÜSTUNGEN HABEN EINEN ZIEMLICH GUTEN JOB GEMACHT.

UNSERE RÜSTUNGEN HABEN EINEN ZIEMLICH GUTEN JOB GEMACHT.

UNSERE RÜSTUNGEN HABEN EINEN ZIEMLICH GUTEN JOB GEMACHT.

Sie haben uns geholfen, weiterzumachen. Uns abzugrenzen, wenn etwas zu viel wurde. Stark zu sein, wenn gerade niemand anderes stark sein konnte. Zu funktionieren, wenn das Leben keine Pause gemacht hat. Alleine klarzukommen, wenn Verlassen auf andere schwierig war.

Manche von uns haben gelernt, alles im Griff zu haben. Andere, möglichst wenig zu brauchen. Manche werden leise, wenn es schwierig wird. Andere besonders laut. Manche ziehen sich zurück. Manche kümmern sich lieber um alle anderen. Und manche machen einen Witz genau in dem Moment, in dem es eigentlich ernst wird.

Das alles muss nicht falsch sein. Manches, was wir heute vorschnell als „Muster“ bezeichnen, war irgendwann schlicht eine ziemlich gute Idee.

Wir sollten sie erst einmal kennenlernen. Uns fragen, was sie für uns übernommen hat. Wovor sie uns geschützt hat. Warum wir manchmal noch nach ihr greifen, obwohl die Situation längst eine andere ist. Denn Schutz ist nicht das Gegenteil von Offenheit. Grenzen sind nicht das Gegenteil von Nähe. Stärke ist nicht das Gegenteil von Verletzlichkeit.

Schwierig wird es dort, wo aus einer Möglichkeit ein Automatismus wird. Wo wir gar nicht mehr merken, dass wir uns schützen.

Unsere Rüstung müssen wir deshalb nicht als Erstes ablegen.

Unsere Rüstung müssen wir deshalb nicht als Erstes ablegen.

Unsere Rüstung müssen wir deshalb nicht als Erstes ablegen.

DANN PASSIERT ETWAS MERKWÜRDIGES.

DANN PASSIERT ETWAS MERKWÜRDIGES.

DANN PASSIERT ETWAS MERKWÜRDIGES.

Wir wollen Nähe – und gehen auf Abstand. Wir vermissen jemanden – und melden uns trotzdem nicht. Wir möchten gesehen werden – und zeigen ausgerechnet die Teile von uns, bei denen wir ziemlich sicher sind, dass sie niemanden irritieren. Wir wünschen uns Leichtigkeit – und versuchen gleichzeitig, möglichst wenig dem Zufall zu überlassen. Wir wollen entdeckt werden – und verstecken uns manchmal so gut, dass kaum jemand eine Chance dazu bekommt.

Warum machen wir das eigentlich? Genau dieser Moment interessiert mich. Nicht nur in Partnerschaften. Zwischen Freunden. In Familien. Im Job. Zwischen Eltern und Kindern. In zufälligen Begegnungen. Und manchmal sogar in der Art, wie wir mit uns selbst umgehen.

Nicht mit der Frage: „Was stimmt mit diesem Menschen nicht?“ Sondern:

Was könnte hier gerade passieren?

Was könnte hier gerade passieren?

Was könnte hier gerade passieren?

Frau in weißer Bluse in einem Editorial-Porträt

GENAU DORT KANN WIEDER ETWAS BEGINNEN, DAS MIR MANCHMAL FEHLT.

Leichtigkeit.

Leichtigkeit.

Leichtigkeit.

Nicht die Leichtigkeit, bei der immer alles gut ist.

Sondern diese andere.

Die Lust, etwas zu entdecken. Einen Menschen anzuschauen und nicht sofort wissen zu müssen, wer er ist. Ein Gespräch anzufangen, ohne zu wissen, wohin es führt. Jemandem ein Lächeln zu schenken. Sich über etwas zu freuen, ohne es sofort einzuordnen. Sich berühren zu lassen von einem Gedanken, einer Begegnung, einem Moment.

Und uns wieder häufiger zu fragen:

Was könnte eigentlich schön werden?

Was könnte eigentlich schön werden?

Was könnte eigentlich schön werden?

GENAU DESHALB SCHREIBE ICH OHNE RÜSTUNG.

Ich möchte verstehen, warum wir reagieren, wie wir reagieren. Was Forschung über unser Verhalten weiß. Warum manche Strategien uns einmal geholfen haben. Warum wir sie manchmal noch benutzen, obwohl wir sie längst nicht mehr brauchen. Und was passiert, wenn Menschen mit ihren ganz eigenen Erfahrungen, Erwartungen und Schutzmechanismen aufeinandertreffen.

Ich möchte bessere Fragen stellen.

Warum berührt uns etwas? Warum ziehen wir uns zurück? Warum halten wir manchmal fest? Warum fällt uns Vertrauen schwer? Warum missverstehen wir einander? Warum fühlen wir uns bei manchen Menschen plötzlich sicher? Und was brauchen Menschen eigentlich voneinander?

ES GEHT GAR NICHT DARUM, OHNE RÜSTUNG ZU LEBEN.

Es geht darum, sie zu kennen. Zu bemerken: Ah. Da ist sie wieder. Und dann entscheiden zu können, ob wir sie gerade wirklich brauchen. Freiheit bedeutet nicht, ohne Schutz durchs Leben zu gehen.

Vielleicht ist Freiheit, eine Rüstung tragen zu können, ohne in ihr gefangen zu sein.

Vielleicht ist Freiheit, eine Rüstung tragen zu können, ohne in ihr gefangen zu sein.

Vielleicht ist Freiheit, eine Rüstung tragen zu können, ohne in ihr gefangen zu sein.

Sie schließen zu können, wenn wir Schutz brauchen. Und sie öffnen zu können, wenn wir spüren: Hier bin ich sicher genug. Hier darf etwas Neues passieren.

DARUM MÖCHTE ICH ÜBER DAS DAZWISCHEN SPRECHEN.

Weil ich nicht möchte, dass wir bei all der Geschwindigkeit vergessen, wie interessant Menschen sind. Wie viel zwischen zwei Menschen passieren kann, das sich nicht in eine Schublade stecken lässt. Wie wichtig es ist, einander zuzuhören. Zu widersprechen. Nachzufragen. Zu lachen. Uns irritieren zu lassen. Unsere Meinung zu verändern.

Ich finde, wir sollten über Einsamkeit, Nähe und Verbindung sprechen. Über unsere Schutzmechanismen. Über Missverständnisse. Über das Funktionieren. Über unsere Sehnsucht nach Leichtigkeit. Über all die kleinen Dinge, die passieren, wenn Menschen Menschen begegnen.

Also lasst uns darüber sprechen, was mit uns passiert.

Nicht, weil wir unsere Rüstung für immer ablegen müssen. Sondern weil wir wieder lernen können, selbst zu entscheiden, wann wir sie brauchen. Und wann wir sie einen Spalt öffnen. Für einen Gedanken. Für eine Begegnung. Für einen anderen Menschen. Für etwas, das wir noch nicht kennen.

Die Welt ist nicht nur etwas, vor dem wir uns schützen müssen.

Die Welt ist nicht nur etwas, vor dem wir uns schützen müssen.

Die Welt ist nicht nur etwas, vor dem wir uns schützen müssen.

Sie ist auch etwas, das es zu entdecken gibt.

Sie ist auch etwas, das es zu entdecken gibt.

Sie ist auch etwas, das es zu entdecken gibt.

Mit offenen Augen.

Mit Neugier.

Und hin und wieder: ohne Rüstung.

ZWISCHENREIZ.

Über Menschen. Muster. Und das Dazwischen.

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